„Was kann ich für Sie tun?“

Als FaMI im Stadtarchiv Kiel

Frau Wuttig in der Beratung

Dieser Satz bestimmt meine tägliche Aufgabe im Lesesaal. Seit fast einem Jahr arbeite ich schon im Stadtarchiv Kiel.

Meine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste begann im September 2007 und endete im August 2010 im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin-Dahlem. Als Zugangsvoraussetzung wird ein guter Realschulabschluss benötigt.
Seit dem Schülerpraktikum in der 9. Klasse wurde mein Wunsch verstärkt, später in einer Bibliothek zu arbeiten. Das Praktikum absolvierte ich damals in einer kleinen Ortsteilbibliothek in meinem Dorf. Die Arbeit gefiel mir und ich konnte mir vorstellen später in diesem Beruf zu arbeiten.
Der Beruf des FaMI existiert erst seit dem Jahre 1998 und ist eine duale Ausbildung (8 Wochen Praxis im Archiv und in der Regel 3 Wochen Berufsschule). Er wird in fünf Fachrichtungen ausgebildet: Bibliothek, Archiv, Information und Dokumentation, Bildagentur sowie Medizinische Dokumentation. Die grundsätzliche Gemeinsamkeit der Fachrichtungen besteht in den Kernaufgaben: Beschaffen, Erschließen und Bereitstellen. Ich wollte ursprünglich in die Fachrichtung Bibliothek und dort bewarb ich mich auch. Es gab nur zwei Bewerbungen für Archive.
Prompt bekam ich einen Ausbildungsplatz im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin-Dahlem. Um ehrlich zu sein hatte ich keine Vorstellungen, was ein FaMI in der Fachrichtung Archiv für Aufgaben hat und was Archive überhaupt sind.
In einem Flyer über den Beruf, herausgegeben vom Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB), werden die Aufgabenbereiche wie folgt beschrieben:

  • Technische Bearbeitung der Archivalien und Magazintätigkeiten
  • Ordnen und Verzeichnen von archivwürdigen Informationsträgern
  • Erstellen von Findmitteln
  • Durchführen und Überwachen von Ausleihvorgängen
  • Mitwirken bei Ausstellungen und Veranstaltungen.

Das sind in der Regel die Kernaufgaben und die Tätigkeitsbereiche in denen FaMI’s eingesetzt werden.
Im ersten Ausbildungsjahr erhielten wir Einblick in alle fünf Fachrichtungen und die meisten absolvierten dann auch ein Praktikum in einer anderen Fachrichtung. Nach der Zwischenprüfung (Mitte 2. Lehrjahr) spezialisierten wir uns auf die Fachrichtung, in der wir ausgebildet wurden. Die Fächer Sozialkunde, Wirtschaftslehre, Englisch, Service und Beratung sowie Sport erfolgten noch im selben Klassenverband. Lediglich für das Fach Medien und Information (MI) wurden die Fachrichtungen getrennt.
Um meine Kenntnisse noch mehr zu vertiefen absolvierte ich noch einige Praktika in anderen Archiven: Archiv der Humboldt-Universität zu Berlin, Bundesarchiv (Abteilung DDR) und das Archiv der Universität der Künste. Es bestand auch die Möglichkeit ein Auslandspraktikum zu machen, aber ich nahm die Chance leider nicht in Anspruch.
In den Praktika lernte ich auch wie andere Archive arbeiten und dass es doch viele Unterschiede von Archiv zu Archiv gibt. Diese Erfahrungen halfen mir dann in der Abschlussprüfung.
Nach der Ausbildung bewarb ich mich im Stadtarchiv Kiel. Es war mein erstes Vorstellungsgespräch und ich bekam die Stelle. Beim Vorstellungsgespräch wurde mir auch ein wenig vom Archiv gezeigt und ich war begeistert. Hier wollte ich arbeiten!
Nun arbeite ich im Stadtarchiv schon fast ein Jahr lang und mittlerweile weiß ich was ein Archiv ist und was für Aufgaben ein FaMI hat!
Am Anfang war es schwer für mich im Lesesaal zu sitzen und die Nutzer zu beraten. Das war eins der Dinge, die ich während der Ausbildung nicht so oft gemacht habe und außerdem wusste ich am Anfang nicht, welche Bestände das Stadtarchiv Kiel besitzt und welche Recherchemöglichkeiten vorhanden sind. Die Ängste waren unberechtigt. In der ersten Zeit halfen mir alle im Stadtarchiv und ich gewöhnte mich schnell ein. Meine Hauptaufgabe ist der Lesesaaldienst. Nebenbei habe ich anfangs Findbücher retrokonvertiert, denn das Lesen alter Handschriften habe ich natürlich gelernt. Mittlerweile beantworte ich Anfragen und verzeichne Akten.
Das spannende an der ganzen Arbeit im Stadtarchiv ist, dass nicht jeder Tag gleich ist und ich jeden Tag etwas dazu lerne!

Und diesen Artikel will ich nutzen, um meinen Kollegen im Stadtarchiv zu danken, dass sie mich so toll unterstützt haben und immer da waren wenn es Probleme gab!

Stefanie Wuttig
Stadtarchiv Kiel