Heft 2008 Seite 24-27

"Und was ist mit den Akten?"

Überlieferungsbildung in der Verwaltungsstrukturreform

Das Thema "Überlieferungsbildung in der Verwaltungsstrukturreform" auf dem

21. Schleswig-Holsteinischen Archivtag 2008

Jutta Briel, Stadtarchiv Kiel

Die tiefgreifenden Veränderungen in der kommunalen Landschaft Schleswig-Holsteins durch die aktuelle Verwaltungsstrukturreform lassen ebensolche in der Archivlandschaft erwarten.

Die Bildung größerer Verwaltungseinheiten durch Zusammenlegung oder Zusammenarbeit von Gemeinden, Ämtern und Kreisen und die Kommunalisierung von Landesaufgaben erzeugt bei den Archivarinnen und Archivaren sowohl Sorge als auch Hoffnung. Die Frage nach dem Verbleib der jeweiligen Akten stellte sich im Reformprozess au.er ihnen niemand. Deshalb war es ein dringendes Bedürfnis, diese Frage auf dem Schleswig-Holsteinischen Archivtag aufzugreifen. Zunächst sollte die historische Dimension des Themas ins Gedächtnis gerufen werden. Dr. Hans Wilhelm Schwarz, einer der wenigen Fachleute der schleswig-holsteinischen Verwaltungsgeschichte, bot den Tagungsteilnehmern und Teilnehmerinnen einen fundierten und kurzweiligen Rückblick auf die kommunale Verwaltungsstruktur und ihre Veränderungen in den letzten 400 Jahren. Wer angesichts des komplexen, vielfältigen und unüberschaubaren Gefüges von Gemeinden, Harden, Kirchspielen, Landschaften und Kreisen dabei ein wenig den Faden verloren hat, kann in dem Buch - Ute Neuhaus-Schröder: Heimatforschung in Schleswig-Holstein. Husum. 2001 - nachlesen.

Der Blick in die Geschichte machte einmal mehr deutlich, dass die Verwaltungsstrukturreform in historisch gewachsene Strukturen und Identitäten eingreift, die allerdings auch in der Vergangenheit bereits vielfältigen Veränderungen unterlagen.
Über den Sachstand der Verwaltungsstruktur- und Funktionalreform referierte Harald Bach vom Innenministerium. Die Zusammenschlüsse im kreisangehörigen Bereich soll die Verwaltungen fit für die gestiegenen Anforderungen machen und Kosten reduzieren. Für die Verwaltung der Ämter und amtsfreien Gemeinden gilt nun eine Mindestgröße von 8.000 Einwohnern. Bis zum 31.12.2006 konnten die Kommunen, die diese Bedingung nicht erfüllten, Vorschläge für Verwaltungszusammenschlüsse machen und sich dafür die "Hochzeitsprämie" als finanzielle Förderung sichern. Verwaltungszusammenschlüsse konnten durch die Neubildung oder Erweiterung von Ämtern, die Bildung von Verwaltungsgemeinschaften, Fusionen von Gemeinden und die partielle Zusammenarbeit gebildet werden Die Zahl der Verwaltungen in Schleswig-Holstein reduzierte sich von Januar 2000 bis Mai 2008 von 222 auf 146. Die Strukturreform ist damit auf der Gemeindeebene aus Sicht des Innenministeriums erfolgreich abgeschlossen.

Nächstes Etappenziel ist die Kreisreform. Die Kreise sollen künftig mindestens 180 000 bis 200 000 Einwohner bei maximal 2 500 Quadratkilometern Fläche haben. Von Fusionen der Kreise kann abgesehen werden, wenn die geforderten Einsparungen auf andere Weise erreicht werden. Die Kreise und kreisfreien Städte sollen darüber hinaus Kooperationsräume bilden, die die vom Land zu übertragenden Aufgaben durchführen. Die Kreisgebiets- und Funktionalreform soll bis 2013 umgesetzt werden.

Zur anschließenden Diskussion der Auswirkungen dieser Veränderungen in der kommunalen Verwaltungsstruktur auf das Archivwesen begrüßte Jutta Briel neben den beiden Referenten Christian Erps, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Landkreistags, Christian Lopau von der Archivgemeinschaft Ratzeburg/Mölln und Kirsten Puymann vom Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe. Im Mittelpunkt der Diskussion sollte die Ausgangsfrage: "Und was ist mit den Akten?" stehen. Zunächst machten die beiden Archivare deutlich, worin die Sorgen und Hoffnungen der Kommunalarchive in diesem Zusammenhang bestehen. Erfahrungsgemäß führen Verwaltungsstrukturänderungen dazu, dass Akten geschlossen werden, und Umzüge von Verwaltungseinheiten zu Aussonderungen von Akten. Dass diese tatsächlich den Weg in ein zuständiges Archiv finden, ist die Sorge der “Schutzengel des Papiers”. Dass die reformgestärkten, vergrößerten Verwaltungseinheiten besser in der Lage sind, die Archivierungspflicht des Landesarchivgesetzes zu verwirklichen, ist die damit verbundene Hoffnung der Archivare.